Mit dem Velo nach Mostindien

(2/3) Nach dem ich in Ravensburg doch noch eine Übernachtungsmöglichkeit fand, ging es am dritten Tag meiner Radtour vor an den See! Vor Meckenbeuren sah ich dann erstmals im Leben ein Hopfenfeld aus der Nähe.

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„The sky is the limit“. Der Hopfen ist eine Kletterpflanze, die sich an einer Schnur hochwindet. Zur Ernte der reifen Dolden werden die Schnüre oben am Drahtgerüst gekappt. Ich war ca. zwei Wochen vor der Ernte dort. Aus der Region Tettnang geht der zu Pellets gepresste Hopfen in die gesamte Welt. Damit werden besondere Biere gebraut. Eine Hopfendolde verrieb ich in der Hand: Das duftete, wen wundert es, nach einem guten Pils.

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Von Tettnang nach Kressbronn kreuzt man das Tal der Argen. Auf einer Anhöhe vor Kressbronn liegt der Teilort Betznau. Dort lernte ich in seiner Rädleswirtschaft den Winzer Alois Rottmar kennen. Ein Glas vom erfrischenden Seewein, natürlich ein Müller-Thurgau, war genau das richtige zur Mittagszeit! Übrigens, eine Rädleswirtschaft ist im restlichen Württemberg eine Besenwirtschaft. Ich war somit wohl in der einzigen Besenwirtschaft im Schwabenländle, in der es keinen Trollinger gibt.

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Sicht von der Anhöhe bei Betznau über einen Weinberg vor nach Kressbronn und zum Bodensee. Kressbronn, auch bekannt für seinen Hopfenanbau, ist die südlichste Weinbaugemeinde Württembergs und die einzige mit württembergischen Seewein! Aus einer sehr kleinen Anbaufläche sind in den letzten Jahrzehnten wieder beachtliche 20 Hektar geworden. Herr Rottmar skizzierte mir die nicht zusammenhängenden Lagen. So konnte ich einige von ihnen auf meinem Weg nach Lindau erkunden. Auf den Apfelplantagen unterhalb sieht man die gespannten Hagelnetze. Kressbronn mit bereits 1000 mm Niederschlag in diesem Jahr war leider auch vom Hagel betroffen. Auf die Weinqualität wird dies keine Auswirkung haben, aber die Ernte wird heuer kleiner.

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Einen Leuchtturm in Bayern, gibt es das? Ja, und zwar an der Hafeneinfahrt der Insel Lindau. Zur Linken hält der Bayrische Löwe wacht und bestaunt das Alpenpanorama. Das einfahrende Schiff könnte aus dem benachbarten Bregenz kommen.

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Nach einem heißen Tag unterwegs mit dem Rad eine Wohltat: Das „Seezüngle“, genossen in einem Lindauer Biergarten mit Seeblick.

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Ohne viele Worte.

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Die Bilder der Collage habe ich in Tettnang, im Argental und in Lindau aufgenommen. Für einen Württemberger ist Retterschen das Ende der Welt. Dahinter beginnt nämlich Bayern. Auch dort wird Seewein angebaut, z.B. in Nonnenhorn. Kurioserweise gehört weingeographisch der bayrische Seewein zu Württemberg, seine Qualitätsweinprüfung erfolgt jedoch in Veitshöchsheim in Franken. Alois Rottmar erklärte mir aber, dass sie alle in erster Linie Bodenseewinzer sind.

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Der bayrische Seewein trug dazu bei, dass es ein schöner Abend im Lindauer Hafen wurde.

Vorbei an Leuchtturm und Bayrischem Löwen erfolgte dann am nächsten Morgen endlich die Überfahrt nach Mostindien. Ein Land, in dem Milch und Süßmost fließt! Davon mehr im dritten und somit letzten Teil meiner Trilogie.

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